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Lehrfabrik Möbelindustrie wird gefördert

Andreas Wagner (Aufsichtsvorsitzender Lehrfabrik Möbelindustrie e.G.), Ministerin Mona Neubauer (Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie), Markus Kamann (Vorstand Lehrfabrik Möbelindustrie e.G.), Jan Kurth (Vorstand Lehrfabrik Möbelindustrie e.G.), Josef Wegener (Dezernatsleiter Bezirksregierung Detmold), Regierungspräsidentin Anna Katharina Bölling, Landrat Jürgen Müller (Kreis Herford)

Elementarer Schritt für die geplante Lehrfabrik Möbelindustrie: Am Montag (19. Dezember) überreichte Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, den Förderbescheid in Höhe von 18,5 Millionen Euro an die Verantwortlichen des innovativen Projekts – Andreas Wagner (Vorsitzender VHK Westfalen-Lippe) als Aufsichtsrat des entstehenden Aus- und Weiterbildungszentrums in Löhne, Jan Kurth (Geschäftsführer Möbelverbände VDM/VHK) als Vorstand und Markus Kamann (Zeus GmbH) als Projektleiter und Geschäftsführer.

In Düsseldorf hat Landeswirtschaftsministerin Mona Neubauer den Vertretern der Lehrfabrik Möbelindustrie e.G. den Zuwendungsbescheid überreicht. Begleitet wurde die Delegation durch die Regierungspräsidentin Anna Katharina Bölling und Dezernatsleiter Josef Wegener.

„Die Landesregierung unterstützt dieses starke Projekt gerne: In Löhne wird ein hochmoderner Lernort für verschiedene Ausbildungsberufe der Möbelbranche entstehen – vom Holzmechaniker bis zum Produktdesigner. Wir brauchen die besten Fachkräfte, um Nordrhein-Westfalen als attraktiven und innovativen Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln und die Herausforderungen von morgen zu meistern“, sagte Neubaur bei der Übergabe der Förderzusage in Düsseldorf.

In der Lehrfabrik Möbelindustrie wird auf einer Bruttonutzfläche von knapp 3.300 Quadratmetern der gesamte Produktionsprozess eines typischen möbelverarbeitenden Unternehmens zum Zweck der Ausbildung, Umschulung und Weiterbildung abgebildet. Von 2024 an sollen Bildungsmodule für sechs Berufsbilder angeboten und rund 200 Nachwuchskräfte im Jahr aus- und weitergebildet werden.

„Alle Beteiligten, die nicht nur aus dem Kreis Herford, sondern aus ganz Ostwestfalen-Lippe kommen, stecken viel Herzblut und Engagement in dieses Projekt. Das unterstreicht einmal mehr die Bedeutung einer attraktiven Ausbildung für die angehenden Fachkräfte. Mit der Lehrfabrik erhält die starke Möbelindustrie weiteren Aufwind und die Chance, junge Menschen an den Beruf und unsere Region zu binden“, sagte Anna Katharina Bölling, Regierungspräsidentin in Detmold. Jürgen Müller, Landrat des Kreises Herford, ergänzte: „Mit der Lehrfabrik entwickeln wir einen Wirtschaftszweig weiter, der für unseren Kreis Herford und die gesamte Region von großer Bedeutung ist. Die Lehrfabrik setzt neue Qualitätsstandards in der Ausbildung neuer Arbeitskräfte. Das kommt der ganzen Branche zugute.“

VHK-Vorsitzender Andreas Wagner betonte: „Für die ostwestfälisch-lippische Möbelindustrie ist die Verfügbarkeit von Fachkräften von ganz entscheidender Bedeutung. Wir freuen uns daher sehr über die breite Unterstützung auf Landesebene und kommunaler Ebene für das Leuchtturmprojekt unserer Branche.“

Das Projekt haben die Möbelverbände unter Federführung des VHK Westfalen-Lippe gemeinsam mit dem Dienstleistungspartner Zeus GmbH entwickelt. Im Juli 2021 wurde mit zahlreichen Kooperationspartnern aus der Möbelindustrie sowie den beteiligten Kommunen eine als Träger fungierende Genossenschaft (Lehrfabrik Möbelindustrie eG) gegründet. Im November 2022 erfolgte der Kauf des 9000 Quadratmeter großen Grundstücks in Löhne. Auf dem ehemaligen Sportplatz an der Schützenstraße wird ein hochmodernes, zweigeschossiges Trainingszentrum für Möbelhersteller und ihre Technologiepartner entstehen.

An neuesten Maschinen und Anlagen sollen Nachwuchskräfte geschult werden, darunter Auszubildende zum Holzmechaniker und Mechatroniker – begleitend zu ihrer Ausbildung im jeweiligen Lehrbetrieb. „In der Lehrfabrik werden die jungen Menschen auch an hochkomplexen Maschinen üben können, was im betrieblichen Produktionsalltag nur mit Einschränkungen möglich ist“, erläutert Andreas Wagner. Darüber hinaus sind Fortbildungsangebote – unter anderem mit der IHK – für Beschäftigte aus der Möbelindustrie geplant. Im ersten Stock der Lehrfabrik entstehen Seminarräume.

„Mit der Lehrfabrik wollen wir die Attraktivität der Aus- und Weiterbildung in unserer Branche erhöhen und auf diese Weise dem Fachkräftemangel entgegenwirken“, beschreibt Verbandsgeschäftsführer Jan Kurth die Zielsetzung. Die Lehrfabrik wird Teil der BANG Netzwerke sein (Berufliches AusbildungsNetzwerk im Gewerbebereich). „Wir werden die Berufsbilder konsequent um neue Themen wie Automation und Künstliche Intelligenz weiterentwickeln“, so Projektleiter und BANG-Manager Markus Kamann. Die Lehrfabrik Möbelindustrie soll als sogenannte dritte Säule in der Ausbildung, das heißt neben Berufskolleg und Betrieb, eine moderne Qualifikationsmöglichkeit bieten.

Der Baubeginn ist nach jetzigem Stand für August 2023 geplant, die Inbetriebnahme soll ein Jahr später – zum Beginn des Ausbildungsjahrs 2024 – erfolgen. Die Kosten für Grundstück, Bau und maschinelle Ausstattung belaufen sich auf insgesamt rund 22 Millionen Euro. Die Energieversorgung des CO2-neutralen Gebäudes erfolgt über eine Photovoltaikanlage samt großem Batteriespeicher, eine Wärmepumpe mit Tiefenbohrung sowie Grünstrom.

In weiteren Bauabschnitten sollen so bald wie möglich die Ergänzung um Wasserstoffversorgung und die Errichtung eines Boardinghauses erfolgen.

Die Lehrfabrik Möbelindustrie soll innerhalb eines neuen Bildungscampus in Herford entstehen. Das Ziel ist eine moderne Schulungsumgebung für die im Kreis Herford und Ostwestfalen-Lippe besonders starke Möbelindustrie und ihre Zulieferer zu schaffen. Das Ganze wird in ein Gesamtvorhaben integriert, sodass eine gute Anbindung an vorhandene Bildungsinfrastruktur (Berufskollegs etc.) ermöglicht wird.

Schon 2019 fehlten rund 3.300 Fachkräfte in der kunststoff- und holzverarbeitenden Industrie im Kammerbezirk der IHK Bielefeld. Auch die Attraktivität von gewerblich-technischen Ausbildungsberufen in der Möbelindustrie ist nicht besonders hoch. Deshalb ist es umso wichtiger, dass durch ein gemeinsames Berufsbildmarketing vor allem potenzielle Auszubildende zu gewinnen, die den Fachkräftebedarf langfristig decken. Hinzu kommt durch die Lehrfabrik Möbel eine erstklassige Ausbildung, die nicht nur die gesetzlichen Mindestvorgaben berücksichtigt, sondern darüber hinaus die Auszubildenden auch auf die Herausforderungen des technologischen Wandels vorbereitet. Berufsorientierung und duale Berufsausbildung, jeweils orientiert an den in ÜBS durch-geführten Maßnahmen, sind die beiden Kernelemente der Lehrfabrik Möbel. Hinzu kommen gesetzlich geregelte berufliche Weiterbildungen, wie die Aufstiegsfortbildung zum Bachelor Professional Holz (vormals bis 2019 Industriemeister Holz), der in der Lehrfabrik Möbelindustrie erstmals in der Region OWL eingerichtet werden wird. Mit diesen Angeboten erhalten die Auszubildenden, aber auch Arbeitnehmer:innen die Chance ihre Qualifikation zu verbessern und damit langfristig erfolgreich am Erwerbsleben teilzunehmen.

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